Unsere erste Communityreise

Immer wieder erreichen uns Nachrichten von Menschen, die sich wünschen, selbst einmal Teil einer Tierschutzreise zu sein und aktiv im Auslandstierschutz mitzuwirken – aber gleichzeitig Sorge haben, ob sie das Leid, das sie dabei sehen könnten, emotional verkraften. Genau für diese Menschen haben wir die Communityreisen ins Leben gerufen: gemeinsam für den Tierschutz einsetzen, ohne überfordert zu werden.

Für unsere erste Communityreise haben wir Rhodos bewusst gewählt. Die Zustände dort sind erträglicher als beispielsweise in Rumänien, und gleichzeitig konnten wir ein Freizeitprogramm einbauen, das Raum zum Verarbeiten und Austauschen lässt. Ende Mai waren wir sechs Tage auf der Insel – unsere Gründerin Michèle, Mitgründerin Michelle und vier ausgewählte Teilnehmerinnen.

Tag 1: Auffangstation und Stray Gang Rhodes

Direkt am ersten Tag ging es zur Auffangstation von Michelle, einer deutschen Tierschützerin, die auf Rhodos lebt. Den Ausbau dieser Station haben wir mit über 2.500 € unterstützt – damit konnten neue Zwinger gebaut werden. Entstanden ist ein Ort, der alten und kranken Tierschutzhunden ein würdevolles Zuhause bietet, wenn eine Vermittlung nicht mehr in Frage kommt. Die Hunde leben in kleinen Gruppen, werden regelmäßig spazieren geführt und sind weit weg vom stressigen Alltag eines großen städtischen Tierheims. Am Vormittag schnappte sich jede von uns einen Hund und los ging es auf eine ausgedehnte Runde.

Danach besuchten wir Natasa vom griechischen Tierschutzverein Stray Gang Rhodes. Sie kümmert sich um rund 30 Hunde und einige ehemalige Straßenkatzen. Auch hier begleiten wir die Hunde bei Spaziergängen und haben für alle, die noch ein Zuhause suchen, neue Fotos und Videos erstellt, denn gutes Bildmaterial kann bei der Vermittlung den entscheidenden Unterschied machen.

Tag 2: Das städtische Tierheim auf Rhodos

Den zweiten Tag verbrachten wir größtenteils im städtischen Shelter. Rund 400 Hunde leben dort – unter Bedingungen, die mit einem deutschen Tierheim kaum vergleichbar sind: permanente Lautstärke, kleine Zwinger, wenig Auslauf. In der Urlaubssaison kommen immer wieder Touristen vorbei, die mit den Hunden spazieren gehen oder sie in den neu gebauten Auslauf bringen. Auch wir haben uns die Zeit genommen, neue Vermittlungsfotos und -videos zu erstellen und den Hunden etwas Abwechslung zu schenken.

Nachhaltiger Tierschutz: Kastrationen für Straßenkatzen

Ein besonders wichtiger Teil unserer Reise war das Kastrationsprojekt – denn nachhaltiger Tierschutz bedeutet für uns, nicht nur zu helfen, sondern auch langfristig etwas zu verändern. Auf Rhodos leben unzählige Straßenkatzen, erkennbar am linken Ohr: Ein kleiner Einschnitt oder eine abgeschnittene Ohrenspitze zeigt, dass die Katze bereits kastriert wurde.

An zwei Abenden haben wir gemeinsam mit lokalen Tierschützerinnen Straßenkatzen eingefangen – was deutlich mehr Übung, Geduld und Schnelligkeit erfordert, als es klingt. Jeweils fünf Katzen konnten wir so einfangen und am nächsten Tag zum Tierarzt bringen. Die Kastrationen kosteten 70 € pro Katze bzw. 50 € pro Kater; inklusive der Behandlung einer kranken Katze haben wir insgesamt rund 660 € investiert.

Das mag sich häufig anfühlen wie ein Tropfen auf den heißen Stein, doch eine einzige Kastration kann mehrere Zehntausend Nachkommen verhindern. Auf Rhodos vermehren sich Straßenkatzen durch das warme Klima und das reichliche Nahrungsangebot bis zu dreimal im Jahr. Nur durch konsequente Kastrationen lässt sich die Population langfristig eindämmen.

Freizeit und gemeinsames Erleben

Neben dem aktiven Tierschutz war uns auch Raum für Erholung und Austausch wichtig. Rhodos ist einfach zu schön, um nicht auch ein wenig von der Insel zu sehen. Neben gutem Essen und einer kleinen Auszeit in einer Bucht haben wir in der Altstadt eine Foto-Challenge gemacht: Jede Teilnehmerin hat sich eine Farbe ausgesucht und Motive in ihrer Farbe gesucht und fotografiert. Glaubt uns, wenn wir sagen, dass man seine Umgebung so nochmal ganz anders wahrnimmt. 

Was wir in einer Woche erreicht haben

In sechs Tagen konnten wir gemeinsam:

  • 31 Hunden neue Fotos und Videos für ihre Vermittlung erstellen
  • viel Zeit mit den Vierbeinern verbracht und ihnen Auslauf und Aufmerksamkeit gegeben
  • 3 Hundepools gekauft, damit sie bei der Sommerhitze eine Abkühlung haben
  • 10 Straßenkatzen kastrieren lassen
  • 4 Frauen einen echten Einblick in den Auslandstierschutz gegeben

Die nächste Communityreise: Rumänien

Die nächste Communityreise ist übrigens auch schon in Planung und dieses Mal geht es in unser Partnertierheim nach Rumänien. Diese Reise wird allerdings einen größeren Fokus auf die tägliche Arbeit im Shelter haben und weniger Freizeit beinhalten. Die Reise ist also für all diejenigen gedacht, die sich wirklich zutrauen, mehrere Tage bei sommerlichen Temperaturen körperlich zu arbeiten und die sich emotional stark genug fühlen. 

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